Juli

Ob Hausgarten oder Balkon … die Beschäftigung mit Pflanzen verändert den Blick auf die Natur.

Dies hat in außerordentlich humorvoller und scharfsinniger Weise Karel Capek in seinem Buch ‚Das Jahr des Gärtners‘ niedergeschrieben. Immer wieder gerne lese ich seine Worte und zitiere heute zum 1. Juli seine Gedanken zu diesem Monat:

 

Die deutsche Philosophie behauptet, die grobe Wirklichkeit sei nur das, was ist; während das höhere, sittliche Gesetz ‚das Sein-Sollende‘ verkörpert. Der Gärtner also anerkennt besonders im Juli dieses höhere Gesetz und weiß sehr gut, was sein sollte.

Es sollte regnen‘, sagt der Gärtner in seiner ausdrucksvollen Art.

 

Das ist nun einmal so: Wenn es die sogenannten lebenspendenden Sonnenstrahlen auf über 50 Grad Celsius bringen, das Gras gelb wird, die Blätter an den Blumenstauden vertrocknen und die Äste der Bäume, vor Durst und Hitze erschlafft, verdorren, wenn die Erde springt, steinhart wird oder in brennend heißen Staub zerfällt; geschieht in der Regel folgendes: 1. platzt der Schlauch, so dass der Gärtner nicht spritzen kann, 2. gibt es eine Störung im Wasserwerk, so dass überhaupt kein Wasser fließt.

 

In einer solchen Zeit netzt der Gärtner die Erde vergebens mit seinem Schweiß; stellt euch nur vor, wie er schwitzen müsste, damit es, sagen wir, wenigstens für einen kleinen Rasen reichte. Auch schimpfen, ja sogar fluchen, lästern und wütend ausspucken hilft da nichts, selbst wenn man mit jedem Spucken in den Garten hinausläuft (jeder Tropfen Feuchtigkeit ist gut!). Da also nimmt der Gärtner zu jenem höheren Gesetz seine Zuflucht und beginnt fatalistisch zu sagen: ‚Es sollte regnen!‘

 

Karel Capek

aus ‚Das Jahr des Gärtners‘

(1890 - 1938) 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Ingrid (Freitag, 01 Juli 2016 19:14)

    Hihi, in diesem Jahr - zumindest bis jetzt - würde er das nicht sagen. Aber wer weiß - vielleicht kommt das ja noch ;-)
    Liebe Grüße, Ingrid

  • #2

    Petra (Freitag, 01 Juli 2016 22:44)

    Liebe Helga,
    nur zu gut erinnere ich mich an die Sommerhitze des letzten Jahres. Täglich hatte ich die Temperaturen beobachtet. Sehr oft zeigte das Thermometer auf meinem sonnigen Balkon 50 ° C an. Mehr Grade konnte er nicht messen, denn die blaue Flüssigkeit war bereits am Anschlag! Zum Glück blieb bis jetzt eine unerträgliche Extremhitze aus. Darüber bin ich sehr froh. Leider hatte es andere Regionen im vergangenen Monat umsomehr mit Sturmwetter und Überflutungen getroffen. Das war wieder das andere Extrem!
    Ich denke, im Moment haben wir genug Wasser im Erdreich......und die Gärtner kommen kaum nach mit Rasenmähen..... und alles weitere Grünzeug im Zaun zu halten.
    Ich bin gespannt, was dieser restliche Sommer noch mit uns vor hat :-)
    Ein schönes Wochenende wünscht Dir
    Petra

  • #3

    Werner H. (Samstag, 02 Juli 2016 15:03)

    So ist es liebe Helga, die Beschäftigung mit Pflanzen verändert den Blick auf die Natur.
    Wer Freude an Natur und Tiere und Umwelt hat, sieht die Welt auch mit etwas anderen Augen und geht mit ihnen auch sorgsamer um.
    Immer wieder kann ich nur bestätigen was wir in unseren Region und Breitengrad eine üppige und grüne Natur haben, da für muss es auch regnen.
    Obwohl wir dieses Jahr ein Übermaß an Regen hatten, denn der Juni hat uns eine selten gesehene Unwetterserie beschert.
    Vor allem zum Monatsanfang gab es täglich Überflutungen und Katastrophenalarm.
    Dadurch war es einer der nassesten Junis der letzten Jahrzehnte.
    Wiederum sieht man in den südlichen Ländern, wie verbrannt und ausgedörrt die Erde ist.
    Daher liebt, schätzt man, unsere grünen Wälder, Felder und Weiden …
    In diesem Sinne liebe Helga ein fröhliches Gärtnern, Werner.

  • #4

    Marlies (Mittwoch, 13 Juli 2016 13:54)

    Das Jahr 2016 hat den Kalender durcheinander gebracht. Der viele Regen in den vergangenen Monaten brachte auch die Zahl der Besuche im Schwimmbad zum Erliegen. Wenn ich an früher denke, hatte ich schon lange die Zahl 40ig überschritten, jetzt bin ich grad mal bei Mitte 20. Na, vielleicht kommen noch viele Sonnentage die ich dann genießen kann.
    Gruß Marlies