Theodor Storm

Theodor Storm / 200. Geburtstag am 14.09.2017
Theodor Storm / 200. Geburtstag am 14.09.2017

Die Stadt

 

Am grauen Strand, am grauen Meer
und seitab liegt die Stadt;
der Nebel drückt die Dächer schwer,
und durch die Stille braust das Meer
eintönig um die Stadt.

 

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
kein Vogel ohne Unterlass;
die Wandergans mit hartem Schrei
nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
am Strande weht das Gras.

 

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
du graue Stadt am Meer;
der Jugend Zauber für und für
ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,

du graue Stadt am Meer.

Meeresstrand

 

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
und Dämmrung bricht herein;
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein
graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.

 

Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
einsames Vogelrufen –
so war es immer schon.

 

Noch einmal schauert leise
und schweiget dann der Wind;
vernehmlich werden die Stimmen,
die über der Tiefe sind.


Theodor Storm
deutscher Jurist, Novellist, Lyriker
(1817 – 1888)

In Husum erblickte Theodor Storm am 14. September 1817 das Licht der Welt; es blieb zeitlebens seine ‚graue Stadt am Meer‘,

zu der er sich immer hingezogen fühlte. Er starb 1888 und wurde in Husum beigesetzt. 

 

Nach seinem Jura-Studium in Kiel und Berlin arbeitete er ab 1843 in Husum als Anwalt in eigener Kanzlei. Infolge politischer Unruhen zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark verließ er seine Heimat und wechselte in das preußische Berlin.

Erst 1864 kehrte Theodor Storm nach Husum zurück, wurde Landvogt und Amtsrichter.

 

Theodor Storm schrieb schon als Schüler erste Gedichte und entwickelte im Laufe der Jahre seinen poetischen Realismus.

Anfangs waren die Werke melancholisch und gefühlsbetont, später eher strenger. Berühmt machten ihn u.a. seine Novellen wie ‚Immensee‘ oder ‚Der Schimmelreiter‘ und Gedichte wie ‚Die Stadt‘ oder ‚Meeresstrand‘.

Theodor Storm / 200. Geburtstag am 14.09.2017
Theodor Storm / 200. Geburtstag am 14.09.2017

Ein grünes Blatt
 
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
ich nahm es so im Wandern mit,
auf dass es einst mir möge sagen,
wie laut die Nachtigall geschlagen,
wie grün der Wald, den ich durchschritt.

 

Theodor Storm
deutscher Jurist, Novellist, Lyriker
(1817 – 1888)

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Quer (Donnerstag, 14 September 2017 07:33)

    Sehr ansprechend ist sie, diese Hommage. Danke dafür.
    Theodor Storm ist ein sicherer Wert im Ozean der Literatur und seine Gedichte mag ich besonders.
    Schönen Dank und Gruss,
    Brigitte

  • #2

    Anna-Lena (Freitag, 15 September 2017 08:08)

    Ich kann mich Brigitte nur anschließen, ein sehr schöner Beitrag von dir, liebe Helga.
    Herzliche Grüße!

  • #3

    Marlies (Montag, 18 September 2017 19:52)

    Auch ich schließe mich meinen Vorgängern an.
    Aber eins muss ich doch wieder schreiben, Dein Foto ist wieder super gut gelungen. Ich beneide Dich um Dein Können.
    Gruß Marlies