Reichtum und Armut

Angstgebet in Wohnungsnot

 

Ach, lieber Gott, gib, dass sie nicht
uns aus der Wohnung jagen.
Was soll ich ihr denn noch sagen –
meiner Frau – in ihr verheultes Gesicht?

 

Ich ringe meine Hände.
Weil ich keinen Ausweg fände.
Wenn’s eines Tages so wirklich wär:
Bett, Kleider, Bücher, mein Sekretär; -
dass das auf der Straße stände.

 

Joachim Ringelnatz
(1883 – 1934)

In Deutschland explodieren die Mieten und es fehlt bezahlbarer Wohnraum.

Der erforderliche Neubau befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug.
 
Noch vor Tagen verfolgte ich – wieder einmal - eine Dokumentation über Mieter, die in Sorge vor Obdachlosigkeit leben müssen. Ich glaubte es kaum, als von 1 Million fehlender Wohnungen gesprochen wurde. Die Menschen können ihre erhöhten Mieten nicht mehr zahlen und finden keinen preiswerteren Ersatz! Oder Familien, die auf engstem Raum leben, weil eine Wohnung mit einem weiteren Zimmer ihr Budget sprengen würde. Dabei sind die Eltern berufstätig und gehören zu den Durchschnittsverdienern. Studenten haben ebenfalls größte Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt ... usw. ... usw. ...
 
Wie entmutigend und niederschmetternd muss dieses Gefühl für die Betroffenen sein!
 
Stattdessen schießen die hochpreisigen Bauten aus dem Boden und die Kluft zwischen Reichtum und Armut wird immer größer!

Eine erschreckende Entwicklung und weiterer Nährboden für die bedrohliche Verwerfung in unserer Gesellschaft!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Morgentau (Samstag, 06 Januar 2018 18:39)

    Oh, zu dem Thema hätte ich auch einiges zu sagen, aber es ist zu persönlich an dieser Stelle.
    Ich kann mich deinen Worten leider nur anschließen, liebe Helga. Es ist erschreckend und traurig. Die betroffenen Menschen tun mir von Herzen leid. Und treffen kann es fast jeden.

    Ein lieber Gruß,
    Andrea

  • #2

    Quer (Sonntag, 07 Januar 2018 08:48)

    Oh ja, das ist die Sorge ganz vieler Menschen, auch hier bei uns. Da kann man nur in das Angstgebet von Ringelnatz einstimmen.
    Und inständig hoffen, dass sich etwas tut auf politischer und wirtschaftlicher Ebene.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  • #3

    Liebe Helga, (Sonntag, 07 Januar 2018 16:13)

    ja, stimmt, ich frage mich auch immer wieder, wer denn das noch bezahlen kann, wenn schon mindestens ein Drittel vom Gehalt für die Wohnung drauf geht.
    Darum war mir es sehr wichtig, Eigentum zu haben. Dazu gab es aber einen Grund; meine Schwiegereltern wurden im hohen Alter aus ihrer Mietwohnung gekündigt. Da war mir klar, ich möchte so wohnen, dass mich keiner "entfernen" kann, wenn ein anderer Zustand eintritt.
    Bei uns werden viele seniorengerechte Wohnungen jetzt gebaut. Aber zu einem Preis, der sich kein Senior von der Rente leisten kann.
    Die Schere geht immer weiter auf - wie soll das nur weitergehen.
    Ich grüße Dich, Marlies