Martin Luther

Wartburg, Eisenach/Thüringen
Wartburg, Eisenach/Thüringen

500 Jahre Reformation

Martin Luther schlug am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und bewirkte damit eine tiefgreifende gesellschaftlich-kulturelle Veränderung.


Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums finden im Laufe des Jahres 2017 zahlreiche Veranstaltungen statt und der Höhepunkt ist

der Deutsche Evangelische Kirchentag Ende Mai in Berlin und Wittenberg. In der Lutherstadt Wittenberg wird am Reformationstag

ein Festgottesdienst das Gedenkjahr zum Abschluss bringen.


Das Foto der Wartburg in Eisenach/Thüringen entstand 2005. Der Nebel hüllte das Gebäude in einen mystisch anmutenden Schleier.

Ich denke sehr gerne an diese eindrucksvolle Reise zurück ... auf den Spuren von Martin Luther und Johann Sebastian Bach.

Lutherdenkmal, Eisenach/Thüringen
Lutherdenkmal, Eisenach/Thüringen

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben/Sachsen-Anhalt geboren. 1501 nahm er das Jura-Studium in Erfurt auf.  Eine Legende besagt,

dass er als junger Student in ein heftiges Gewitter geriet und in seiner Not gelobte, ein Mönch zu werden. Er trat 1505 als Mönch in das Augustinerkloster zu Erfurt ein und begann sein Theologiestudium, promovierte 1512 und übernahm eine Professur an der Wittenberger Universität.

 

Auch als Prediger war er tätig und betreute eine Kirchengemeinde. Ihm fiel auf, dass kaum noch Gottesdienstbesucher bei ihm ihre Beichte ablegen wollten. Sie kauften stattdessen die sogenannten Ablassbriefe, um mit Geld das Seelenheil zu erlangen.

 

Martin Luther hat später vor allem in seinen berühmten Tischreden seine Romreise immer wieder als ein Schlüsselerlebnis auf

dem Weg zur Reformation bezeichnet, da in Rom der Handel mit Ablassbriefen erschreckende Ausmaße annahm.

 

Sprüche wie „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ empörten Luther sehr und er schrieb an seine katholischen Vorgesetzten, um diesen Missstand zu beenden. Aber es änderte sich nichts.

 

Ein jeder Christ, der wahre Reue empfindet über seine Sünden,

hat völlige Vergebung von Strafe und Schuld,

die ihm auch ohne Ablassbriefe gehört.

 

Martin Luther
These 36

 

Es ist nicht belegt und gehört wohl eher zu einer Legende, dass Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Jahr 1517

an die Tür der Schlosskirche nagelte. Belegt ist aber, dass er sie schrieb und auch drucken ließ, um sie in Umlauf zu bringen.

Das Resultat war sowohl Zuspruch als auch Ablehnung.


Die Lage eskalierte, als Martin Luther durch die Kurie heftig angegriffen und zu mehreren Stellungnahmen gezwungen wurde. Im Jahr 1520 stand er als Ketzer vor Gericht, widerrief aber nicht seine Thesen. Das war der Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und der Papst sprach den Bannfluch über ihn aus.


Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen bestand darauf, dass Martin Luther nicht ohne Anhörung verhaftet wurde und lud ihn 1521 zum Reichstag nach Worms ein. Aber auch hier verleugnete er seine Lehren nicht und blieb standhaft. Das bedeutete für ihn, dass er nun vogelfrei/schutzlos war. Daraufhin ließ der Kurfürst ihn ‚entführen‘ und auf die Wartburg nach Eisenach bringen, wo ihm Sicherheit und Unterschlupf gewährt wurden.


Als ‚Junker Jörg‘ begann er auf der Wartburg mit der Übersetzung der Bibel und schon nach 11 Wochen lag das Neue Testament in einer bisher nicht vorhandenen einheitlichen Schriftsprache vor; Luther gilt damit als Begründer der hochdeutschen Schriftsprache. Diese Bibel wurde vielfach gedruckt und fand großen Anklang bei den protestantischen Christen.


Luther kehrte 1522 aus der Verbannung nach Wittenberg zurück. Es war gefährlich für ihn, aber er wollte die Reformation vorantreiben.

Er widmet sich jetzt intensiv den Predigten und Schriften und vermittelte damit seine Lehren. Aber ihm standen schwere Zeiten bevor und der Widerstand gegen ihn wuchs, die Bauernkriege fanden statt. Er predigte zeitlebens gegen Gewalt, konnte sie aber nicht verhindern.


1525 heiratete Martin Luther die Nonne Katharina von Bora und gründete mit ihr eine Familie mit 6 Kindern. In seinem Haus gingen viele Menschen ein und aus. Berühmt sind seine Tischreden. In der Zwischenzeit hatte Martin Luther auch die gesamte Bibel übersetzt, die 1534 gedruckt wurde.


Seine späten Jahre waren von Krankheit gezeichnet und auf einer Reise in seine Geburtsstadt Eisleben starb Martin Luther 62-jährig am 18. Februar 1546. Am 22. Februar wurde er in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.


Nach seinem Tod führte sein engster Vertrauter und Freund Philipp Melanchthon die Reformation fort.

In deinen Händen sind meine Zeiten, mein ganzes Leben, alle Tage, Stunden und Augenblicke.

 

Martin Luther
deutscher Theologe und Reformator
(1483  - 1546)

Die Reformation und das Kirchenlied

Wartburg, Eisenach/Thüringen
Wartburg, Eisenach/Thüringen

Martin Luther war ein begabter Musiker und Sänger, spielte Laute, komponierte und dichtete. Er reformierte auch die Musik der Kirche, denn es war ihm sehr wichtig, dass die Gottesdienstbesucher mit ihm gemeinsam singen. Er beklagte in seiner Schrift ‚Formula missae‘: „Allein der Chor der Pfaffen und Schüler singt“ und forderte "Deutsche Gesänge, die das Volk singe".

 

Im Jahr 1529 entstand das erste protestantische Gemeindegesangbuch. "Ein feste Burg ist unser Gott" ist Luthers bekanntestes Lied

und auch das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her" gehört zu den meistgesungenen Kirchenliedern.

 

In evangelischen Gesangsbüchern sind immer noch sehr viele von Martin Luther komponierte und gedichtete Kirchenlieder vertreten.